Zeitreise-Abenteuer durch die Dänische-Geschichte
Harald Blåtand (Blauzahn) und die Wikingerzeit in Dänemark
Während über die Geschichte Dänemarks zur Zeit der Merowinger nur wenige Zeugnisse vorliegen, beginnen die Dänen ab dem 8./9. Jahrhundert als seefahrendes Wikingervolk auf sich aufmerksam zu machen. Die dänischen Wikinger waren vom 9. bis zur Mitte des 11. Jahrhundert an den Küsten Westeuropas gefürchtet und haben in mehreren Wikingerzügen u.a. Teile der Britischen Inseln, skandinavischer Gebiete und Frankreichs unterworfen.
Die Königsherrschaft, die sich im südlichen Jütland anfänglich aus Handelsaktivitäten entwickelte, erfuhr durch den Bau der Grenzwälle, des Danewerk, den der erste historisch belegte Wikingerkönig Godfred zum Schutz gegen den Einfall der Franken in Auftrag gegeben hatte, eine Stärkung. Die dänischen Kleinkönigtümer wurden im 10. Jahrhundert durch König Gorm der Alte zu einem Gesamtstaat geeint, ein Prozess, den Gorms Sohn Harald Blauzahn schließlich abschloss. Der auf Haralds Befehl gesetzte große Jellingstein bezeugt die Herrschaft des Königs über ganz Dänemark.
Harald Blauzahn wurde um 910 geboren und starb am 1. November 986 in Jomsburg, dem heutigen Wollin (Polen). Er ließ sich um 960 taufen und setzte damit die offizielle Christianisierung der Dänen in Gang. Dies geschah wahrscheinlich auf politischen Druck von deutscher Seite. Bereits vorher hatte er die Bistümer Aarhus, Ripen und Schleswig gegründet. Eine Zeit der inneren Konflikte folgte. Rebellionen und bürgerkriegsähnliche Zustände unter der Federführung von Harald Blauzahns Sohn Svend Gabelbart führten schließlich zum Sturz des Königs, der nach Jomsburg ins Exil flüchteten musste.
Nach Harald Blauzahns Bekehrung zum Christentum begann eine Zeit der Expansionspolitik. In mehreren Plünderungsfahrten in der Ost- und Nordsee besetzte Harald Süd-Norwegen und nannte sich König von Norwegen. Damit wurden die jahrhundertelangen Auseinandersetzungen beider Länder begründet. Harald Blauzahn fiel außerdem mehrmals in die Normandie ein und besetzte zeitweise Rouen. Nach seinem Tod wurde sein Leichnam in die von ihm erbaute Kirche von Roskilde überführt und dort zur letzten Ruhe gebettet.
Nach Harald Blåtand (engl. Bluetooth) ist die Funktechnik Bluetooth benannt, die drahtlose Übertragungen ermöglicht.
Waldemar I. der Große und die „Waldemar-Zeit“
Die Mitte des 12. Jahrhunderts war durch König Waldemars Expansionspolitik aber auch durch blutige Thronstreitigkeiten geprägt.
Waldemar wurde am 14. Januar 1131 als Sohn des Herzogs von Süd-Jütland (Schleswig) Knut Lavard geboren und starb am 12. Mai 1182 in Vordingborg. Nach dem gewaltsamen Tod des Vaters, der von König Niels Sohn Magnus ermordet wurde, um mögliche Ambitionen auf den dänischen Thron zu unterbinden, lebte Waldemar im Haus des Adelsgeschlechts der Hvide. Dort erzog man ihn zusammen mit den Söhnen des Hauses Absalon (1128-1201) und Esbern (1127-1204), die zu seinen engsten Vertrauten zählten und später mit ihm maßgeblich bei Regierungsentscheidungen zusammenarbeiteten.
Anfänglich stand Waldemar auf der Seite seines Verwandten Svend und unterstützte ihn im Kampf gegen den Konkurrenten um den Thron Dänemarks, Knud, Sohn des Mörders von Knud Lavard. Doch 1153 wechselte Waldemar die Seiten und ließ sich 1154 zusammen mit Knud zum König krönen. Ab 1957 teilten sich Waldemar, Knud und Svend die Macht, aber Streitigkeiten mit Svend führten schließlich zum Roskilder Blutfest (9. August 1157), auf dem Knud getötet wurde. Waldemar besiegte seinen Verwandten und gewann damit die Alleinherrschaft über Dänemark. Durch eine Politik der inneren Versöhnung konnte Waldemar in den folgenden Jahren seine Herrschaft festigen.
Außenpolitisch schloss sich Waldemar Kaiser Friedrich Barbarossa gegen den Nachbarn Heinrich den Löwen an. Die Verteidigung Dänemarks wurde durch den Ausbau des Danewerks in Backstein („Waldemarsmauer“) und durch die Errichtung neuer Festungen gesichert. Zwischen 1159 und 1185 führe Waldemar fast jährlich Flottenzüge durch. So unterwarf er Rügen, die Grafschaft Holstein, Lübeck, Estland und Teile Norwegens.
In der mit Waldemar dem Großen beginnenden „Waldemar-Zeit“, die unter seinen beiden Söhnen Knut VI (1182-1202) und Waldemar II. Sejr (1202-1241) fortbestand, erlebte Dänemark eine Blütezeit. Vor allem in den Jahrzehnten um 1200 bestand eine wirtschaftliche Hochkonjunktur, die sich in rasch expandierender Landwirtschaft und Besiedlung niederschlug.
Erik V. Klipping
Erik V. Klipping wurde im Jahr 1249 geboren und am 22. November 1286 ermordet. Nach dem gewaltsamen Tod seines Vaters Christoffer II. übernahm seine Mutter Margarete Sambiria für ihren minderjährigen Sohn die Regentschaft und musste die Herrschaft Eriks sofort gegen seine beiden mächtigsten Feinde, den Erzbischof Jakob Erlandsen und den Herzog Waldemar von Süd-Jütland, verteidigen.
Als erwachsener Regent war es Erik Klippings vorrangiges Ziel, die Macht der Kirche und des Adels zu schwächen. Seinen Konflikt mit der Kirche konnte er durch die Hilfe des Papstes zu seinen Gunsten entscheiden. Bis zum Jahr 1282 hatte Erik V. aber den Adel des Landes derart brüskiert, dass er schließlich gezwungen war, eine Satzung (eine dänischen Variante der Magna Carta) zu verabschieden, die seine Autorität stark einschränkte und die alten Rechte des Königs beschnitt.
Seine Streitigkeiten mit dem Adel Dänemarks führten letztendlich zum Tod Erik V. Der Legende nach verschworen sich verschiedene Adelige unter der Führung von Stig Andersen Hvide und des Grafs von Halland Jakob Nielsen mit dem Ziel, den König zu ermorden. Sie bestochen zur Ausführung ihres Plans Rane Jonsen, einen der Begleiter von Erik Klipping. Im November 1286 sahen sie endlich ihre Stunde der Rache kommen. Der König hielt sich zu dieser Zeit in Viborg in Jütland auf, und als er nach einem langen Jagdtag am 22. November zusammen mit Rane Jonsen und einigen anderen den Weg zur königlichen Farm nicht mehr finden konnten, suchten sie Unterschlupf in einer Scheune des Dorfes Finderup. Als Erik V. Klipping eingeschlafen war, stürmten die als Franziskanermönche verkleideten Attentäter die Scheune und erstachen den König. 56 Stichwunden sollen dem Monarchen beigebracht worden sein.
Insgesamt besaß Erik V. Klipping einen ausnehmen schlechten Ruf, der wohl auch zu seinem Beinamen „Klipping“ geführt hat. „Klipping“ bezieht sich auf eine mittelalterliche Münze, die beschnitten wurde, um ihren Wertverfall anzuzeigen. Dies ist als Referenz zu Eriks mangelnder Vertrauenswürdigkeit zu verstehen, von dem man sagt, dass er nie seine Versprechen hielt und sein Volk bei jeder Gelegenheit hinterging und im Stich ließ.
